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Strahlentherapie bei Brustkrebs: Was Sie erwartet

Julia Lambrecht
28. Oktober 2026

Welche Rolle spielt die Strahlentherapie bei Brustkrebs?

Die Strahlentherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Brustkrebs. Sie nutzt ionisierende Strahlung, um das Erbgut von Tumorzellen zu schädigen und deren Vermehrung zu verhindern. Besonders nach einer brusterhaltenden Operation wird sie häufig eingesetzt, um das Risiko eines Rückfalls in der betroffenen Brust zu senken [1].

Eine große Metaanalyse der Early Breast Cancer Trialists’ Collaborative Group (EBCTCG) zeigte, dass eine Bestrahlung nach brusterhaltender Operation das 10-Jahres-Risiko für ein Wiederauftreten der Erkrankung von 35,0 % auf 19,3 % reduzierte, also um 15,7 Prozentpunkte. Auch die Brustkrebssterblichkeit nach 15 Jahren sank in den untersuchten Studien von 25,2 % auf 21,4 %, also um 3,8 Prozentpunkte [2]. Das individuelle Risiko hängt unter anderem von Tumoreigenschaften, Alter und weiteren Behandlungen ab. Ob eine Strahlentherapie empfohlen wird, richtet sich nach der persönlichen Krankheitssituation und den aktuellen medizinischen Leitlinien [1].

Definition

Wann wird nach einer Mastektomie bestrahlt?

Auch nach einer Mastektomie, bei der die gesamte Brust entfernt wird, kann eine Strahlentherapie sinnvoll sein. Die Entscheidung hängt insbesondere von der Tumorgröße, dem Befall von Lymphknoten, den Schnitträndern und weiteren individuellen Risikofaktoren ab.

Eine Metaanalyse der EBCTCG zeigte, dass eine Bestrahlung der Brustwand und gegebenenfalls der regionalen Lymphabflusswege bei Frauen mit befallenen Lymphknoten das Risiko eines Rückfalls senken und die Brustkrebssterblichkeit verringern kann [3]. Ob diese Behandlung im Einzelfall empfohlen wird, sollte im interdisziplinären Behandlungsteam besprochen werden [1].

Die Behandlung

Wie wird die Strahlentherapie mit anderen Behandlungen kombiniert?

Die Strahlentherapie wird häufig mit weiteren Behandlungsformen kombiniert. Welche Reihenfolge sinnvoll ist, hängt von der individuellen Diagnose und dem geplanten Therapiekonzept ab.

  • Chemotherapie: Wenn eine Chemotherapie erforderlich ist, wird sie nach einer Operation häufig vor der Strahlentherapie durchgeführt.
  • Antihormonelle Therapie: Bei hormonrezeptorpositivem Brustkrebs kann eine antihormonelle Behandlung je nach Situation während oder nach der Strahlentherapie erfolgen.
  • HER2-gerichtete Therapie: Bei HER2-positivem Brustkrebs können zielgerichtete Medikamente Teil des Behandlungskonzepts sein.

Die genaue Planung erfolgt individuell und orientiert sich an den aktuellen Leitlinien sowie den persönlichen Behandlungsvoraussetzungen [1].

Ablauf

Wie läuft eine Strahlentherapie ab?

Vor Beginn der Behandlung findet ein Planungstermin statt. Dabei wird in der Regel eine Computertomografie (CT) durchgeführt, mit der das Bestrahlungsgebiet festgelegt und die Behandlung geplant wird. Die Positionierung wird so vorbereitet, dass die Strahlung möglichst gezielt auf das vorgesehene Gebiet gerichtet werden kann.

Während einer Behandlungssitzung liegt die Patientin in der geplanten Position. Die eigentliche Bestrahlung dauert meist nur wenige Minuten. Der gesamte Termin kann etwas länger dauern, da auch die genaue Lagerung und Kontrolle dazugehören.

Wie lange dauert die Bestrahlung bei Brustkrebs?

Die Dauer hängt vom Bestrahlungskonzept ab. Neben länger etablierten Schemata mit mehreren Wochen Behandlungszeit kommen heute auch verkürzte Behandlungsschemata infrage. Bei einem Teil der Patientinnen wird zusätzlich eine erhöhte Dosis auf das ehemalige Tumorbett gegeben (sogenannter Boost). Dies richtet sich nach dem individuellen Rückfallrisiko [1].

In der FAST-Forward-Studie erwies sich bei geeigneten Patientinnen eine Bestrahlung der Brust bzw. Brustwand mit 26 Gy in fünf Fraktionen innerhalb einer Woche hinsichtlich der untersuchten lokalen Tumorkontrolle als nicht schlechter als das Vergleichsschema mit 40 Gy in 15 Fraktionen über drei Wochen [4]. Ob ein solches Kurzzeitschema geeignet ist, hängt unter anderem von der individuellen Erkrankungssituation und dem geplanten Bestrahlungsgebiet ab, etwa davon, ob auch die Lymphabflusswege mitbehandelt werden.

Muss immer die ganze Brust bestrahlt werden?

Nicht in jedem Fall. Für ausgewählte Patientinnen mit frühem Brustkrebs kann eine Teilbrustbestrahlung infrage kommen. Dabei wird gezielt der Bereich behandelt, in dem sich der Tumor befand, statt die gesamte Brust zu bestrahlen.

Die Eignung hängt unter anderem von Alter, Tumorgröße, Tumorbiologie, Operationsbefund und weiteren Risikofaktoren ab. Die Leitlinie der American Society for Radiation Oncology (ASTRO) beschreibt Kriterien für die Auswahl geeigneter Patientinnen und die Anwendung der Teilbrustbestrahlung [5].

Bei älteren Patientinnen mit niedrigem Rückfallrisiko, die eine antihormonelle Therapie erhalten, kann in Einzelfällen nach sorgfältiger Abwägung auch auf eine Bestrahlung verzichtet werden [1]. Diese Entscheidung sollte immer gemeinsam mit dem behandelnden Team getroffen werden.

Arbeit & Bestrahlung

Kann ich während der Bestrahlung arbeiten?

Ob eine Berufstätigkeit während der Behandlung möglich ist, hängt vom persönlichen Befinden, dem Arbeitsalltag und möglichen Nebenwirkungen ab. Manche Patientinnen können ihre Arbeit weitgehend fortsetzen, während andere mehr Ruhe benötigen.

Besonders Müdigkeit und Hautreaktionen können den Alltag beeinflussen. Es kann hilfreich sein, Arbeitszeiten flexibel zu gestalten und bei Bedarf mit dem Behandlungsteam über Entlastungsmöglichkeiten zu sprechen.

Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen können während der Bestrahlung auftreten?

Die Strahlentherapie kann Nebenwirkungen verursachen. Welche auftreten und wie stark sie ausgeprägt sind, ist individuell unterschiedlich.

Zu den häufigeren akuten Nebenwirkungen zählen:

  • Hautreaktionen: Die Haut im Bestrahlungsgebiet kann gerötet, trocken, empfindlich oder juckend werden.
  • Müdigkeit: Manche Patientinnen fühlen sich während der Behandlung zunehmend erschöpft.
  • Lokale Beschwerden: Es können Spannungsgefühle, Druckempfindlichkeit oder Schwellungen im behandelten Bereich auftreten.

Viele akute Beschwerden bilden sich nach Abschluss der Behandlung allmählich zurück. Bei ausgeprägten, zunehmenden oder ungewöhnlichen Beschwerden sollte das Behandlungsteam informiert werden [1].

Welche Spätfolgen sind möglich?

Neben akuten Nebenwirkungen können langfristige Veränderungen auftreten. Dazu gehören beispielsweise Veränderungen der Hautstruktur, eine festere Gewebekonsistenz oder Veränderungen des kosmetischen Ergebnisses. Selten kommen außerdem eine Entzündung des Lungengewebes (Pneumonitis), Rippenschmerzen bis hin zu Rippenbrüchen oder kleine, sichtbar erweiterte Hautgefäße (Teleangiektasien) vor. Das Risiko für Zweittumoren im Bestrahlungsgebiet ist sehr gering. Wie wahrscheinlich solche Folgen sind, hängt unter anderem von der Bestrahlungstechnik, dem Behandlungsgebiet und individuellen Faktoren ab [1].

Bei der Planung wird darauf geachtet, umliegendes gesundes Gewebe möglichst zu schonen. Da das Risiko für Herzerkrankungen mit der Strahlendosis auf das Herz steigt [8], kann bei einer Bestrahlung der linken Brust beispielsweise eine tiefe Einatmung mit Atemanhaltetechnik eingesetzt werden. Dadurch wird das Herz während der Bestrahlung möglichst weit aus dem Bestrahlungsfeld verlagert, sofern dies für die Patientin geeignet ist.

Hautreaktionen

Was hilft bei Hautreaktionen?

Während der Behandlung ist eine schonende Hautpflege sinnvoll. Verwenden Sie möglichst milde, nicht reizende Pflegeprodukte und vermeiden Sie starke Reibung oder andere Belastungen der Haut im Bestrahlungsgebiet.

Auch die Verwendung von Deodorant wird häufig thematisiert. Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse von fünf randomisierten Studien fand keinen signifikanten Einfluss von Deodorants oder Antitranspirantien auf das Auftreten akuter strahlenbedingter Hautreaktionen [6]. Dennoch sollten individuelle Empfehlungen des behandelnden Teams beachtet werden, insbesondere bei bereits gereizter oder verletzter Haut.

Bei offenen Hautstellen, starken Schmerzen oder ausgeprägten Reaktionen sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.

Lymphödem

Kann eine Bestrahlung ein Lymphödem verursachen?

Ein Lymphödem ist eine Schwellung, die entsteht, wenn Lymphflüssigkeit nicht ausreichend abtransportiert werden kann. Nach einer Brustkrebsbehandlung kann es beispielsweise am Arm oder im Bereich der Brust auftreten.

Das Risiko hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Entfernung von Lymphknoten und eine Bestrahlung der regionalen Lymphabflusswege. Eine Strahlentherapie führt nicht zwangsläufig zu einem Lymphödem. Bei neu auftretender oder zunehmender Schwellung, einem Spannungsgefühl oder Schweregefühl sollte das Behandlungsteam informiert werden [1, 7].

Fazit

Strahlentherapie bei Brustkrebs ist individuell planbar

Die Strahlentherapie kann ein wichtiger Bestandteil der Brustkrebsbehandlung sein. Dauer, Bestrahlungsgebiet und Kombination mit anderen Therapien richten sich nach der individuellen Erkrankungssituation. Moderne Behandlungskonzepte ermöglichen bei geeigneten Patientinnen auch kürzere Bestrahlungszeiträume.

Welche Vorteile, Risiken und Nebenwirkungen im Einzelfall zu erwarten sind, sollte gemeinsam mit dem behandelnden Team besprochen werden.

Literatur

[1] Leitlinienprogramm Onkologie. (2026). S3-Leitlinie Mammakarzinom, Version 5.0. https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/mammakarzinom

[2] Early Breast Cancer Trialists’ Collaborative Group (EBCTCG). (2011). Effect of radiotherapy after breast-conserving surgery on 10-year recurrence and 15-year breast cancer death: Meta-analysis of individual patient data for 10,801 women in 17 randomised trials. The Lancet, 378(9804), 1707–1716. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(11)61629-2

[3] Early Breast Cancer Trialists’ Collaborative Group (EBCTCG). (2014). Effect of radiotherapy after mastectomy and axillary surgery on 10-year recurrence and 20-year breast cancer mortality: Meta-analysis of individual patient data for 8,135 women in 22 randomised trials. The Lancet, 383(9935), 2127–2135. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(14)60488-8

[4] Brunt, A. M., et al. (2020). Hypofractionated breast radiotherapy for 1 week versus 3 weeks (FAST-Forward): 5-year efficacy and late normal tissue effects results from a multicentre, non-inferiority, randomised, phase 3 trial. The Lancet, 395(10237), 1613–1626. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)30932-6

[5] Shaitelman, S. F., et al. (2024). Partial breast irradiation for patients with early-stage invasive breast cancer or ductal carcinoma in situ: An ASTRO clinical practice guideline. Practical Radiation Oncology, 14(2), 112–132. https://doi.org/10.1016/j.prro.2023.11.001

[6] [Erstautor:in bitte ergänzen], et al. (2023). The effect of antiperspirant and deodorant use on acute radiation dermatitis in breast cancer patients during radiotherapy: A systematic review and meta-analysis. Supportive Care in Cancer. https://doi.org/10.1007/s00520-023-07657-y

[7] National Cancer Institute. (o. D.). Lymphedema. https://www.cancer.gov/about-cancer/treatment/side-effects/lymphedema

[8] Darby, S. C., et al. (2013). Risk of ischemic heart disease in women after radiotherapy for breast cancer. The New England Journal of Medicine, 368(11), 987–998. https://doi.org/10.1056/NEJMoa1209825

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