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Diagnose Brustkrebs: Was nun?

Julia Lambrecht
9. Oktober 2026

Die Diagnose Brustkrebs verändert für viele Menschen von einem Moment auf den anderen den Alltag und wirft zahlreiche Fragen auf: Wie geht es jetzt weiter? Welche Untersuchungen sind notwendig? Welche Behandlung kommt infrage und welche Rolle spielt die Strahlentherapie?

Dieser Beitrag soll einen Überblick darüber geben, was nach der Diagnose typischerweise passiert, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und warum die Strahlentherapie bei vielen Patientinnen und Patienten einen wichtigen Bestandteil der Behandlung darstellt [1].

Die Diagnose

Erst der Anfang der Therapieplanung?

Mit der Diagnose „Brustkrebs“ steht zunächst noch nicht fest, welche Behandlung notwendig sein wird. Entscheidend sind unter anderem die Größe und Ausbreitung des Tumors, der Befall von Lymphknoten, der Tumorgrad sowie die biologischen Eigenschaften der Krebszellen [1].

Von besonderer Bedeutung sind dabei die Hormonrezeptoren für Östrogen und Progesteron sowie der HER2-Status, da diese Merkmale beeinflussen, welche medikamentösen Therapien sinnvoll sind. Auch das Alter, Begleiterkrankungen, eine mögliche genetische Belastung und die individuellen Wünsche der betroffenen Person können in die Therapieentscheidung einbezogen werden [1].

Nach Abschluss der Diagnostik wird die Erkrankung in einem Stadium eingeordnet und ein individuelles Behandlungskonzept entwickelt. Die Therapie kann dabei aus einer Kombination verschiedener Verfahren bestehen, beispielsweise aus Operation, Strahlentherapie, Chemotherapie, antihormoneller Therapie, zielgerichteten Therapien oder weiteren modernen medikamentösen Behandlungen [1].

Die Behandlungen

Reicht eine Operation?

Bei einem frühen Brustkrebs ist eine Operation häufig ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Dabei kann je nach Situation eine brusterhaltende Operation durchgeführt werden, bei der der Tumor mit einem Sicherheitsabstand entfernt wird, während die Brust erhalten bleibt [1].

Eine Alternative kann die Entfernung der gesamten Brust, also eine Mastektomie, sein [1]. Doch selbst wenn der Tumor vollständig entfernt wurde, können mikroskopisch kleine Tumorreste im Operationsgebiet zurückgeblieben sein, die mit bildgebenden Verfahren nicht sichtbar sind.

Genau hier setzt die adjuvante Strahlentherapie an: Sie soll verbliebene Krebszellen zerstören und dadurch das Risiko eines lokalen Rückfalls reduzieren [1,2].

Welche Rolle spielt die Strahlentherapie?

Die Strahlentherapie nutzt hochenergetische Strahlung, um die DNA von Krebszellen zu schädigen und dadurch deren Fähigkeit zur weiteren Vermehrung zu verhindern [3].

Bei Brustkrebs wird sie vor allem nach einer brusterhaltenden Operation eingesetzt, kann aber abhängig vom individuellen Rückfallrisiko auch nach einer Mastektomie erforderlich sein [1,4].

Die aktuelle deutsche S3-Leitlinie empfiehlt nach einer Operation wegen eines invasiven Mammakarzinoms, bei der keine Mastektomie durchgeführt wurde, grundsätzlich eine Bestrahlung der betroffenen Brust. Ausnahmen bei bestimmten Patientinnen mit z. B. niedriger Lebenserwartung oder niedrigem Risiko eines Rückfalls (Rezidiv) sind möglich. Durch einen Verzicht auf die Bestrahlung, kann es zu einem erhöhten Risiko für ein Rezidiv an der betroffenen Stelle kommen [1].

Die Bedeutung der Strahlentherapie ist durch große randomisierte Studien und Metaanalysen gut belegt. Eine Metaanalyse der Early Breast Cancer Trialists’ Collaborative Group (EBCTCG) mit 10.801 Patientinnen aus 17 randomisierten Studien zeigte, dass eine Strahlentherapie nach brusterhaltender Operation das Risiko eines Rezidivs innerhalb von zehn Jahren deutlich reduzierte. Auch die Sterbefälle aufgrund von Brustkrebs nach 15 Jahren waren in der bestrahlten Gruppe niedriger. Allerdings wurde deutlich, dass der Vorteil deutlich von den individuellen Risikofaktoren abhing [2].

Wann wird nach einer Mastektomie bestrahlt?

Auch nach einer vollständigen Entfernung der Brust kann eine Strahlentherapie sinnvoll oder notwendig sein. Ob dies der Fall ist, hängt unter anderem von der Tumorgröße, dem Lymphknotenbefall und weiteren individuellen Risikofaktoren ab [1,4].

Auch hier zeigt eine Metaanalyse der EBCTCG, dass eine Bestrahlung der Brustwand und gegebenenfalls der angrenzenden Lymphwege bei geeigneten Patientinnen nach Mastektomie das Risiko eines Rezidivs an der betroffenen Stelle reduziert und langfristig auch das Sterberisiko senken kann [4].

Die Entscheidung für oder gegen eine Bestrahlung nach Mastektomie sollte deshalb nicht allein anhand der Operation getroffen werden, sondern auf Grundlage des gesamten Befundes erfolgen [1].

Wie wird die Strahlentherapie mit anderen Behandlungen kombiniert?

Brustkrebs wird häufig multimodal behandelt, das heißt, verschiedene Therapieformen werden miteinander kombiniert [1]. Welche Reihenfolge gewählt wird, hängt von der individuellen Situation ab.

Wenn beispielsweise eine Chemotherapie notwendig ist, wird diese häufig vor der anschließenden Strahlentherapie durchgeführt. Eine antihormonelle Therapie kann dagegen grundsätzlich unabhängig von der Strahlentherapie begonnen werden. Bei HER2-positivem Brustkrebs können zielgerichtete Therapien ebenfalls Bestandteil des Behandlungskonzepts sein [1].

Die genaue Reihenfolge sollte deshalb gemeinsam von den beteiligten Fachdisziplinen festgelegt werden.

Die Strahlentherapie

Wie läuft eine Strahlentherapie ab?

Vor Beginn der eigentlichen Behandlung findet zunächst eine ausführliche Planung statt. Dabei wird in der Regel eine Computertomographie durchgeführt, mit deren Hilfe das Bestrahlungsgebiet und die zu schonenden Organe dreidimensional bestimmt werden. Anschließend wird individuell berechnet, aus welchen Richtungen und mit welcher Intensität die Strahlung auf das Zielgebiet treffen soll. Dabei wird angestrebt, möglichst viel Strahlendosis im Tumor beziehungsweise im vorgesehenen Ziel zu lagern und gleichzeitig gesundes Gewebe so weit wie möglich zu schonen [3].

Die Behandlung selbst ist normalerweise schmerzfrei und dauert nur wenige Minuten pro Sitzung, wobei die genaue Dauer des Aufenthalts im Bestrahlungsraum durch die Positionierung und Kontrolle länger sein kann [3].

Muss immer die ganze Brust bestrahlt werden?

Nicht unbedingt.

Zum Beispiel kann bei ausgewählten Patientinnen und Patienten mit frühem Brustkrebs eine sogenannte Teilbrustbestrahlung, also eine Partial Breast Irradiation, infrage kommen. Dabei wird nicht die gesamte Brust bestrahlt, sondern gezielt das Gebiet um den ehemaligen Tumor herum behandelt. Die Auswahl geeigneter Patientinnen und Patienten hängt unter anderem von Alter, Tumorgröße, Tumorbiologie, Lymphknotenstatus und weiteren Risikofaktoren ab [5].

Die konkrete Technik und das Bestrahlungsvolumen werden individuell festgelegt.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Wie jede wirksame Behandlung kann auch eine Strahlentherapie Nebenwirkungen verursachen. Diese unterscheiden sich individuell und hängen unter anderem von der behandelten Region, der Strahlendosis, der Bestrahlungstechnik und zusätzlichen Therapien ab [3].

Zu den häufigsten kurzfristigen Beschwerden gehören Hautveränderungen, Rötungen, Trockenheit, Spannungsgefühl, Schwellungen und Müdigkeit. Die Hautreaktion kann ähnlich wie ein Sonnenbrand aussehen und entwickelt sich häufig erst im Verlauf der Behandlung beziehungsweise kurz danach. Bei vielen Betroffenen bilden sich diese akuten Beschwerden nach Abschluss der Therapie wieder zurück [3].

Auch längerfristige Veränderungen sind möglich. Das Brustgewebe kann beispielsweise fester werden oder sich in Form und Größe verändern. Wenn Lymphwege mitbestrahlt werden, kann außerdem das Risiko für ein Lymphödem steigen [3,6].

Ein Lymphödem ist eine Schwellung, die entsteht, wenn Lymphflüssigkeit sich im Gewebe staut, weil der Abfluss über das Lymphsystem gestört ist. Es äußert sich typischerweise durch eine Schwellung, beispielsweise am Arm oder im Bereich der Brust beziehungsweise Brustwand [6].

Fazit

Das Wichtigste auf einen Blick

Eine Brustkrebsdiagnose ist der Beginn eines individuellen Behandlungsprozesses und nicht automatisch eine Aussage über den weiteren Verlauf. Die Therapie richtet sich unter anderem nach Tumorgröße, Lymphknotenstatus, Tumorbiologie und individuellen Faktoren [1].

Nach einer brusterhaltenden Operation ist die Strahlentherapie bei invasivem Brustkrebs grundsätzlich ein wichtiger Bestandteil der Behandlung [1]. Sie reduziert das Risiko eines lokalen beziehungsweise regionalen Rückfalls und kann bei geeigneten Patientinnen und Patienten auch zu einer Verbesserung der langfristigen Prognose beitragen [2].

Es gibt nicht „die eine“ Brustkrebsbehandlung. Die optimale Therapie entsteht aus der Kombination der individuellen Tumoreigenschaften, der aktuellen wissenschaftlichen Evidenz und den persönlichen Bedürfnissen der betroffenen Person [1].

Literatur

[1] Leitlinienprogramm Onkologie. (2026). S3-Leitlinie Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms, Version 5.0. Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe und AWMF.

[2] Early Breast Cancer Trialists’ Collaborative Group. (2011). Effect of radiotherapy after breast-conserving surgery on 10-year recurrence and 15-year breast cancer death: Meta-analysis of individual patient data for 10,801 women in 17 randomised trials. The Lancet, 378(9804), 1707–1716. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(11)61629-2.

[3] American Cancer Society. (2026). Radiation for breast cancer.

[4] Early Breast Cancer Trialists’ Collaborative Group. (2014). Effect of radiotherapy after mastectomy and axillary surgery on 10-year recurrence and 20-year breast cancer mortality: Meta-analysis of individual patient data for 8135 women in 22 randomised trials. The Lancet, 383(9935), 2127–2135. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(14)60488-8.

[5] American Society for Radiation Oncology. (2023/2024). Partial breast irradiation for patients with early-stage invasive breast cancer or ductal carcinoma in situ: An ASTRO clinical practice guideline.

[6] American Cancer Society. (2026). Lymphedema.

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