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Nebenwirkungen der Bestrahlung: Die 7 häufigsten Beschwerden und was hilft

Julia Lambrecht
3. September 2026

Eine Strahlentherapie wird eingesetzt, um Tumorgewebe gezielt zu behandeln. Dabei können jedoch auch gesunde Zellen im Bestrahlungsbereich betroffen sein. Deshalb kann es während oder nach der Behandlung zu verschiedenen Nebenwirkungen kommen. Welche Beschwerden auftreten, hängt vor allem davon ab, welche Körperregion bestrahlt wird, wie hoch die Strahlendosis ist und ob gleichzeitig eine Chemotherapie stattfindet [1, 2].

Die Nebenwirkungen können unterschiedlich stark ausfallen. Einige Beschwerden treten bereits während der Behandlung auf und bilden sich danach wieder zurück. Andere Veränderungen können erst Monate oder Jahre später entstehen. Doch welche Nebenwirkungen sind typisch, wie lange halten sie an und was können Betroffene dagegen tun? Die wichtigsten Beschwerden und mögliche Maßnahmen im Überblick.

Akute Nebenwirkungen und Spätfolgen: Was ist der Unterschied?

Bei den Nebenwirkungen einer Strahlentherapie wird zwischen akuten Beschwerden und möglichen Spätfolgen unterschieden.

Akute Nebenwirkungen entstehen während der Behandlung oder in den ersten Wochen danach. Betroffen sind vor allem Gewebe, dessen Zellen sich schnell erneuern. Dazu gehören beispielsweise die Haut und die Schleimhäute. Nach Abschluss der Bestrahlung können sich diese Beschwerden wieder zurückbilden [2, 3].

Spätfolgen können dagegen erst Monate oder Jahre nach der Behandlung auftreten. Dazu gehören beispielsweise dauerhafte Hautveränderungen, Gewebeverhärtungen oder Einschränkungen der Funktion einzelner Organe. Wie hoch das Risiko ist, hängt unter anderem von der Strahlendosis und der bestrahlten Körperregion ab [2, 3].

Wichtig zu wissen: Viele Nebenwirkungen betreffen vor allem den Bereich, der bestrahlt wird. Bei einer Bestrahlung der Brust fallen beispielsweise nicht automatisch die Kopfhaare aus [2, 11].

1. Hautreaktionen im Bestrahlungsbereich

Hautreaktionen gehören zu den häufigsten Nebenwirkungen einer Strahlentherapie. Die Haut im Bestrahlungsbereich kann ähnlich wie bei einem Sonnenbrand reagieren. Typische Beschwerden sind Rötungen, Trockenheit, Juckreiz oder ein Spannungsgefühl. In manchen Fällen kann sich die Haut auch schuppen oder stärker entzünden [4].

Die ersten Hautveränderungen zeigen sich häufig nach zwei bis drei Wochen. Wie stark die Haut reagiert, hängt unter anderem von der Strahlendosis und dem Bestrahlungsbereich ab. Die Beschwerden können auch nach dem Ende der Behandlung noch einige Zeit anhalten [5].

Was hilft bei Hautreaktionen nach einer Bestrahlung?

Während der Behandlung sollte die Haut möglichst schonend gepflegt werden. Empfehlenswert sind milde Pflegeprodukte und lockere Kleidung, die nicht auf der Haut reibt. Auch auf Kratzen und zusätzliche Reizungen sollte möglichst verzichtet werden. Welche Pflegeprodukte geeignet sind, kann mit dem Behandlungsteam besprochen werden.

2. Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue)

Viele Patientinnen und Patienten fühlen sich während einer Strahlentherapie müde und weniger belastbar. Diese Erschöpfung wird auch als Fatigue bezeichnet. Sie unterscheidet sich von normaler Müdigkeit, da sie häufig auch durch ausreichend Schlaf und Ruhe nicht vollständig verschwindet.

Die Beschwerden können im Verlauf der Behandlung zunehmen und teilweise noch einige Wochen oder Monate nach der Bestrahlung anhalten [6].

Wie lange hält die Müdigkeit nach einer Bestrahlung an?

Das ist individuell unterschiedlich. Bei einigen Betroffenen bessert sich die Erschöpfung bereits wenige Wochen nach der Behandlung. Bei anderen kann sie länger bestehen bleiben.

Was hilft gegen Fatigue?

Regelmäßige Bewegung kann dabei helfen, die Erschöpfung zu verringern. Studien zeigen, dass körperliches Training während einer Strahlentherapie die Fatigue reduzieren kann. Das wurde unter anderem bei Patientinnen und Patienten mit Brust- und Prostatakrebs untersucht [6, 7, 8].

Bereits leichte Aktivitäten wie Spaziergänge können ein guter Anfang sein. Wichtig ist, die Belastung an die eigene körperliche Verfassung anzupassen und mit dem Behandlungsteam abzusprechen.

3. Reizungen von Mund, Rachen und Speiseröhre

Wird der Kopf- oder Halsbereich bestrahlt, können die Schleimhäute im Mund und Rachen gereizt werden. In manchen Fällen entsteht eine Entzündung der Mundschleimhaut, die medizinisch als Mukositis bezeichnet wird. Betroffene können dadurch Schmerzen beim Essen und Trinken bekommen. Auch ein trockener Mund oder Veränderungen des Geschmackssinns sind möglich [2, 9, 10].

Bei einer Bestrahlung im Brustkorb, etwa bei Tumoren der Lunge oder der Speiseröhre, kann außerdem die Schleimhaut der Speiseröhre betroffen sein. Dies kann sich durch Schmerzen oder Schwierigkeiten beim Schlucken bemerkbar machen [9].

Was hilft bei gereizten Schleimhäuten?

Eine sanfte und regelmäßige Mundpflege kann helfen, zusätzliche Reizungen zu vermeiden. Empfehlenswert sind außerdem weiche und milde Speisen, die sich gut schlucken lassen. Alkohol und Nikotin sollten möglichst vermieden werden. Bei stärkeren Schmerzen kann das Behandlungsteam geeignete Medikamente verordnen.

4. Beschwerden an Darm und Blase

Bei einer Bestrahlung im Bauch- oder Beckenbereich können auch Darm und Blase betroffen sein. Je nachdem, welche Organe im Bestrahlungsfeld liegen, können unterschiedliche Beschwerden auftreten.

Häufig sind Durchfall, Blähungen oder Bauchschmerzen. Auch ein häufiger Harndrang oder ein Brennen beim Wasserlassen sind möglich [3, 9]. Die Beschwerden entstehen durch Reizungen des Gewebes im Bestrahlungsbereich. In vielen Fällen klingen sie nach dem Ende der Behandlung wieder ab [3].

Was hilft bei Durchfall und Blasenbeschwerden?

Bei Durchfall ist es wichtig, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Leicht verdauliche Speisen können den Darm zusätzlich entlasten. Bei stärkeren Beschwerden können Medikamente notwendig sein. Auch Probleme mit der Blasenfunktion sollten frühzeitig beim Behandlungsteam angesprochen werden [1].

5. Übelkeit und Erbrechen

Übelkeit kann ebenfalls eine Nebenwirkung der Strahlentherapie sein. Sie tritt vor allem dann auf, wenn der Magen oder der obere Bauchbereich im Bestrahlungsfeld liegt. Auch bei einer Bestrahlung von Gehirn und Rückenmark oder des gesamten Körpers kann Übelkeit auftreten. Wie stark die Beschwerden ausfallen, hängt unter anderem von der bestrahlten Körperregion und der Strahlendosis ab [10].

Im Vergleich zur Chemotherapie kommt es bei einer alleinigen Strahlentherapie seltener zu Übelkeit. Trotzdem können die Beschwerden den Alltag beeinträchtigen [10].

Was hilft gegen Übelkeit nach einer Bestrahlung?

Gegen Übelkeit stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung. Diese können bei Bedarf vom Behandlungsteam verordnet werden. Wichtig ist, die Beschwerden frühzeitig anzusprechen, damit geeignete Maßnahmen geprüft werden können.

6. Haarausfall im Bestrahlungsbereich

Auch Haarausfall kann durch eine Strahlentherapie entstehen. Anders als bei einer Chemotherapie betrifft er grundsätzlich den Bereich, der bestrahlt wird. Wird beispielsweise die Kopfregion behandelt, können dort die Haare ausfallen. Bei einer Bestrahlung der Brust kann dagegen die Achselbehaarung betroffen sein, wenn die Achsel im Bestrahlungsfeld liegt [2, 11].

Wachsen die Haare nach einer Bestrahlung wieder nach?

Ob die Haare nach der Behandlung wieder nachwachsen, hängt vor allem von der Strahlendosis und der betroffenen Haarregion ab. Bei einer stärkeren Schädigung der Haarwurzeln kann der Haarausfall dauerhaft sein [11].

Wichtig ist, die Haut und die verbliebenen Haare im Bestrahlungsbereich schonend zu pflegen. Ob mit einem dauerhaften Haarausfall zu rechnen ist, kann das Behandlungsteam anhand der geplanten Strahlendosis einschätzen.

7. Mögliche Spätfolgen der Bestrahlung

Neben den akuten Beschwerden können nach einer Strahlentherapie auch Spätfolgen auftreten. Diese zeigen sich teilweise erst Monate oder Jahre nach dem Ende der Behandlung. Mögliche Spätfolgen sind beispielsweise Verhärtungen des bestrahlten Gewebes, dauerhafte Hautveränderungen oder Einschränkungen der Funktion einzelner Organe [3, 12].

Wird beispielsweise der Brustbereich bestrahlt, können je nach Bestrahlungsgebiet auch Herz oder Lunge betroffen sein. Wie hoch das Risiko für solche Veränderungen ist, hängt unter anderem von der Strahlendosis und der bestrahlten Körperregion ab [11, 12].

Können Spätfolgen auch Jahre nach der Bestrahlung auftreten?

Ja. Bestimmte Veränderungen können erst lange nach dem Ende der Behandlung entstehen. Deshalb sind regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen wichtig, um mögliche Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

Moderne Bestrahlungstechniken ermöglichen eine gezieltere Behandlung des Tumorgewebes. Dennoch lassen sich mögliche Spätfolgen nicht in jedem Fall vollständig ausschließen.

Wann sollten Sie sich beim Behandlungsteam melden?

Während einer Strahlentherapie sollten neue oder stärker werdende Beschwerden immer angesprochen werden. In bestimmten Situationen ist es wichtig, zeitnah ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Dazu gehören insbesondere:

  • Fieber oder Anzeichen einer Infektion
  • Offene, nässende oder stark schmerzende Hautstellen
  • Starke oder anhaltende Schmerzen
  • Anhaltender Durchfall oder Blut im Stuhl
  • Blut im Urin oder starke Beschwerden beim Wasserlassen
  • Schwierigkeiten beim Essen und Trinken oder Anzeichen von Flüssigkeitsmangel

Bei solchen Beschwerden sollte das Behandlungsteam zeitnah informiert werden. Es kann einschätzen, welche Maßnahmen notwendig sind und ob eine zusätzliche Behandlung erforderlich ist.

Strahlentherapie bei Quartz Healthcare

Die Strahlentherapie ist eine etablierte Behandlungsmethode in der Krebsmedizin. Bei Quartz Healthcare bieten wir Strahlentherapie an und begleiten Patientinnen und Patienten während ihrer Behandlung.

Welche Form der Bestrahlung infrage kommt, welche Nebenwirkungen auftreten können und welche Maßnahmen bei Beschwerden sinnvoll sind, hängt von der individuellen Behandlungssituation ab. Im persönlichen ärztlichen Beratungsgespräch werden die geplante Therapie und mögliche Begleiterscheinungen besprochen.

Wenn Sie Fragen zur Strahlentherapie oder zu möglichen Nebenwirkungen haben, können Sie sich an unser Behandlungsteam wenden.

Literatur

[1] Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF). (2025). S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen (aktualisierte Fassung; AWMF-Registernummer 032-054OL). https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/supportive-therapie

[2] Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Krebsinformationsdienst. (o. D.). Keine Angst vor Strahlentherapie.

[3] Steingräber, M. (2005). Nebenwirkungen und Langzeitfolgen nach Strahlentherapie. DLH-Patienten-Kongress.

[4] Behroozian, T., et al. (2023). MASCC clinical practice guidelines for the prevention and management of acute radiation dermatitis, Part 1: Systematic review. eClinicalMedicine, 58, 101886.

[5] Ginex, P. K., et al. (2020). Radiodermatitis in patients with cancer: Systematic review and meta-analysis. Oncology Nursing Forum, 47(6), E225–E236.

[6] Halemani, K., et al. (2022). The impact of exercise on fatigue among patients undergoing adjuvant radiation therapy: A systematic review and meta-analysis. Journal of Caring Sciences, 11(1), 46–55.

[7] Horgan, S., & O’Donovan, A. (2018). The impact of exercise during radiation therapy for prostate cancer on fatigue and quality of life: A systematic review and meta-analysis. Journal of Medical Imaging and Radiation Sciences, 49(2), 207–219.

[8] Zheng, X., et al. (2025). The impact of exercise during radiotherapy on treatment-related side effects in breast cancer patients. International Journal of Nursing Studies, 163, 104990.

[9] Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO). (2015). S2e-Leitlinie: Supportive Maßnahmen in der Radioonkologie (Version 1.2, Stand Februar 2015). https://www.degro.org/wp-content/uploads/2018/04/201505LLSupportivtherapie.pdf

[10] Österreichisches Gesundheitsportal. (o. D.). Lexikon Strahlentherapie.

[11] Apotheken Umschau. (o. D.). Strahlentherapie bei Brustkrebs (mit Prof. Tribius).

[12] Pharmazeutische Zeitung. (o. D.). Spätfolgen von Chemo- und Strahlentherapie.

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