Pinktober: Was der Brustkrebsmonat wirklich bedeutet

Jedes Jahr im Oktober wird es weltweit pink: Der sogenannte Pinktober, Breast Cancer Awareness Month oder auch Brustkrebsmonat, soll Aufmerksamkeit auf Brustkrebs lenken, über die Erkrankung informieren und die Bedeutung von Früherkennung, Behandlung und Forschung hervorheben [1].
Die Kampagne hat ihren Ursprung in den 1980er-Jahren, als Organisationen im Oktober verstärkt über Brustkrebs und insbesondere über die Früherkennung durch Mammografie informierten. Das heute bekannte rosa Schleifen-Symbol entwickelte sich Anfang der 1990er-Jahre zu einem internationalen Zeichen für Brustkrebsaufklärung und Solidarität mit Betroffenen [2].
Pinktober ist deshalb mehr als eine Marketingkampagne: Im besten Fall schafft der Aktionsmonat einen Anlass, über eine Erkrankung zu sprechen, die weltweit Millionen Menschen betrifft [1, 3]. Allerdings wird die Kampagne auch kritisch diskutiert: Beobachter weisen darauf hin, dass ein Teil des sogenannten „Pinkwashing“ vor allem Marketingzwecken dient, ohne die Erkrankung selbst substanziell voranzubringen [4]. Deshalb wollen wir diesen Monat nutzen, um ehrlich über Brustkrebs aufzuklären und Erkrankten beizustehen.
Definition
Was ist Brustkrebs?
Brustkrebs ist eine bösartige Erkrankung des Brustgewebes, bei der sich Zellen unkontrolliert vermehren und die Fähigkeit entwickeln können, in umliegendes Gewebe einzudringen oder sich über Blut- und Lymphbahnen in andere Organe auszubreiten. Brustkrebs ist allerdings keine einzelne Erkrankung, sondern umfasst sehr unterschiedliche Gruppen von Tumorerkrankungen mit unterschiedlichen Eigenschaften, Prognosen und Behandlungsmöglichkeiten [5].
Ein Beispiel dafür ist die Einteilung von Brustkrebs nach Rezeptoren für Hormone oder Wachstumsfaktoren. Liegen die Rezeptoren für Hormone wie z. B. Östrogen vor, wird das Wachstum dieser Tumorzellen gefördert. Wachstumsfaktoren wirken ähnlich. Sie sind körpereigene Signalstoffe, die an bestimmte Rezeptoren auf der Zelloberfläche binden und dadurch Signalketten innerhalb der Zelle aktivieren können, welche unter anderem Wachstum, Überleben und Teilung der Zelle beeinflussen [6].
Die Unterscheidung nach Gruppen ist wichtig, um die richtige Therapie für eine betroffene Person zu finden. Mögliche Therapien können Operation, Strahlentherapie, Chemotherapie, antihormonelle Therapie, zielgerichtete Therapien und weitere systemische Behandlungen oder Kombinationstherapien sein [5].
Häufigkeit
Wie häufig ist Brustkrebs?
Brustkrebs gehört weltweit zu den häufigsten Krebserkrankungen und gleichzeitig zu den wichtigsten Ursachen krebsbedingter Todesfälle [3].
Nach den Schätzungen der International Agency for Research on Cancer wurden im Jahr 2022 weltweit etwa 2,3 Millionen neue Fälle von Brustkrebs diagnostiziert. Damit machte Brustkrebs etwa 11,6 % aller weltweit neu diagnostizierten Krebserkrankungen aus. Im selben Jahr starben weltweit schätzungsweise rund 666.000 Menschen an Brustkrebs [3].
Diese Zahlen machen deutlich, warum Aufklärung, Früherkennung, wirksame Behandlung und Forschung eine zentrale Rolle spielen.
Risikogruppe?
Wer kann Brustkrebs bekommen?
Brustkrebs kann grundsätzlich bei allen Menschen mit Brustgewebe auftreten. Die Erkrankung betrifft überwiegend Frauen, allerdings können auch Männer Brustkrebs entwickeln. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation treten etwa 99 % der Brustkrebserkrankungen bei Frauen und etwa 0,5–1 % bei Männern auf [7].
Das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, steigt insbesondere mit zunehmendem Alter. Weitere Faktoren können das individuelle Risiko beeinflussen, darunter bestimmte genetische Veränderungen, eine familiäre Brustkrebsbelastung, frühere Bestrahlungen des Brustbereichs, bestimmte reproduktive Faktoren, Alkoholkonsum, Übergewicht beziehungsweise Adipositas und einige Formen der Hormontherapie bei Frauen in der Menopause. Besonders relevant sind bestimmte erbliche Veränderungen in bestimmten Genen wie BRCA1, BRCA2 und PALB2, die das Brustkrebsrisiko deutlich erhöhen können [7, 8].
Wichtig ist jedoch: Ein vorhandener Risikofaktor bedeutet nicht automatisch, dass eine Person Brustkrebs entwickeln wird [8]. Umgekehrt haben viele Menschen mit Brustkrebs keinen offensichtlichen familiären oder anderen bekannten Risikofaktor [7, 8].
Symptome
Welche Symptome kann Brustkrebs verursachen?
Im frühen Stadium kann Brustkrebs ohne Beschwerden auftreten. Bei einigen Patientinnen und Patienten kann sich die Erkrankung auch durch einen neu aufgetretenen Knoten oder eine Verhärtung in der Brust oder Achselhöhle bemerkbar machen. Weitere mögliche Veränderungen sind eine Veränderung von Größe oder Form der Brust, Veränderungen der Haut oder Brustwarze sowie ungewöhnlicher Ausfluss aus der Brustwarze [9].
Allerdings bedeutet eine Veränderung der Brust nicht automatisch, dass Krebs vorliegt, da viele Brustveränderungen gutartig sind [9].
Aufgrund des beschwerdefreien Auftretens spielt die Früherkennung eine wichtige Rolle.
Vorsorge
Was bedeutet Früherkennung?
Unter Früherkennung versteht man Untersuchungen, mit denen eine Erkrankung möglichst früh entdeckt werden soll, teilweise bevor Beschwerden auftreten. Bei Brustkrebs ist die Mammografie eine wichtige Untersuchungsmethode zur Früherkennung. Eine Mammografie ist eine Röntgenuntersuchung der Brust, mit der unter anderem kleine Veränderungen erkannt werden können, die noch nicht tastbar sind [10]. Diese Untersuchung wird auch Brustkrebs-Screening genannt. Studien zeigen, dass das Risiko, an Brustkrebs zu sterben, durch dieses Screening reduziert werden kann. Trotzdem ist es vorab wichtig, den Nutzen gegen mögliche Nachteile wie falsch-positive Befunde, Überdiagnosen und weitere Untersuchungen abzuwägen [11].
Welche Früherkennungsstrategie sinnvoll ist, hängt unter anderem vom Alter, dem individuellen Erkrankungsrisiko und den jeweiligen nationalen Empfehlungen ab [11].
Deshalb sollten allgemeine Informationen im Internet nicht als Ersatz für eine individuelle ärztliche Beratung verstanden werden.
Quartz Healthcare
Mammographie-Screening
Wir bei Quartz Healthcare führen das Mammographie-Screening nach den geltenden Qualitätsstandards durch. Bei der Untersuchung wird jede Brust aus zwei unterschiedlichen Perspektiven mittels digitaler Röntgenaufnahmen dargestellt. Die Brust wird dafür kurzzeitig zwischen zwei Platten komprimiert, um eine möglichst aussagekräftige Aufnahme bei möglichst geringer Strahlendosis zu ermöglichen.
Im Anschluss werden die Aufnahmen im Rahmen des Screening-Programms unabhängig von zwei speziell qualifizierten Fachärztinnen oder Fachärzten beurteilt. So können mögliche Veränderungen frühzeitig erkannt und bei Bedarf weitere Untersuchungen eingeleitet werden.
Das gesetzliche Mammographie-Screening richtet sich an beschwerdefreie Frauen im Alter von 50 bis 75 Jahren und wird alle zwei Jahre angeboten. Wenn Sie gesetzlich versichert sind, erhalten Sie automatisch eine Einladung mit den Informationen zur Terminvereinbarung.
Sie haben Beschwerden oder eine Veränderung der Brust bemerkt? Dann warten Sie bitte nicht auf Ihre Screening-Einladung, sondern wenden Sie sich an Ihre Gynäkologin oder Ihren Gynäkologen. Bei einer medizinisch notwendigen Mammographie erfolgt die Untersuchung außerhalb des Screening-Programms und in der Regel auf Überweisung.
Weitere Informationen zum Mammographie-Screening-Programm Sie hier: www.mammo-programm.de
Prävention
Kann man Brustkrebs verhindern?
Nicht alle Brustkrebserkrankungen lassen sich verhindern, da einige Risikofaktoren wie z. B. Alter oder Geschlecht nicht beeinflussbar sind. Dennoch gibt es Faktoren, die mit einem veränderten Brustkrebsrisiko verbunden sind und teilweise beeinflusst werden können [7, 8].
Dazu gehören unter anderem regelmäßige körperliche Aktivität, die Vermeidung von Übergewicht beziehungsweise Adipositas und ein möglichst geringer Alkoholkonsum [7, 8]. Zudem besteht ein höherer Zusammenhang zwischen Rauchen und Brustkrebs als bei anderen Krebsarten. Somit ist der Nichtraucherstatus eine gute Prävention und reduziert das Brustkrebsrisiko [7].
Wichtig: Krebs entsteht in der Regel durch ein komplexes Zusammenspiel genetischer, biologischer, hormoneller, umweltbezogener und weiterer Faktoren und nicht nur allein aufgrund von ungesunden Gewohnheiten [5, 8].
Fazit
Warum ist der Pinktober wichtig?
Ein Monat allein kann Brustkrebs natürlich weder verhindern noch heilen. Er kann jedoch Aufmerksamkeit schaffen und dazu beitragen, dass Menschen sich mit Risikofaktoren, Früherkennung und Behandlungsmöglichkeiten auseinandersetzen [1].
Besonders wichtig ist dabei eine Aufklärung, die nicht nur auf die Farbe Pink und positive Botschaften setzt, sondern auch die Realität der Erkrankung sichtbar macht. Dazu gehört beispielsweise, über fortgeschrittenen und metastasierten Brustkrebs, Nebenwirkungen von Therapien, psychische Belastungen, Langzeitfolgen und soziale sowie finanzielle Auswirkungen der Erkrankung zu sprechen [5].
Ebenso wichtig ist es, Menschen mit Brustkrebs nicht auf ihre Erkrankung zu reduzieren. Hinter jeder Statistik stehen individuelle Lebensgeschichten, unterschiedliche Krankheitsverläufe und Menschen, deren Alltag durch Diagnose und Therapie teilweise tiefgreifend verändert wird.
Denn hinter der rosa Schleife steht keine einfache Geschichte von „Krebs besiegen“, sondern eine komplexe Erkrankung, deren Verständnis und Behandlung kontinuierlich weiterentwickelt werden müssen.
Literatur
[1] Union for International Cancer Control. (n.d.). Breast Cancer Awareness Month. UICC.
[2] Al-Harbi, S., et al. (2023). Year-round breast cancer awareness: Empowering young women in the fight against breast cancer. Cureus, 15(11), e48691.
[3] Bray, F., Laversanne, M., Sung, H., Ferlay, J., Siegel, R. L., Soerjomataram, I., & Jemal, A. (2024). Global cancer statistics 2022: GLOBOCAN estimates of incidence and mortality worldwide for 36 cancers in 185 countries. CA: A Cancer Journal for Clinicians, 74(3), 229–263. https://doi.org/10.3322/caac.21834
[4] Carter, M. (2015). Backlash against „pinkwashing“ of breast cancer awareness campaigns. BMJ, 351, h5399. https://doi.org/10.1136/bmj.h5399
[5] Harbeck, N., Penault-Llorca, F., Cortes, J., Gnant, M., Houssami, N., Poortmans, P., Ruddy, K., Tsang, J., & Cardoso, F. (2019). Breast cancer. Nature Reviews Disease Primers, 5, 66. https://doi.org/10.1038/s41572-019-0111-2
[6] National Cancer Institute. (2025). Tests for breast cancer biomarkers. National Cancer Institute.
[7] World Health Organization. (2025). Breast cancer. WHO.
[8] National Cancer Institute. (2025). Breast cancer causes and risk factors. U.S. National Cancer Institute.
[9] National Cancer Institute. (2025). Signs and symptoms of breast cancer. U.S. National Cancer Institute.
[10] Henderson, J. T., Webber, E. M., Weyrich, M. S., Miller, M., & Melnikow, J. (2024). Screening for breast cancer: Evidence report and systematic review for the U.S. Preventive Services Task Force. JAMA, 331(22), 1931–1946. https://doi.org/10.1001/jama.2023.25844
[11] U.S. Preventive Services Task Force. (2024). Screening for breast cancer: U.S. Preventive Services Task Force recommendation statement. JAMA, 331(22), 1918–1930. https://doi.org/10.1001/jama.2024.5534
News Insights

