10 häufige Fragen zur Strahlentherapie – verständlich erklärt

Eine Strahlentherapie kann viele Fragen aufwerfen: Tut die Behandlung weh? Welche Nebenwirkungen können auftreten? Bin ich danach radioaktiv? Darf ich Familie und Freunde treffen, arbeiten oder Sport treiben? Diese Fragen sind völlig verständlich und beschäftigen viele Patientinnen und Patienten sowie Angehörige vor und während einer Strahlentherapie.
Welche Erfahrungen jemand während einer Strahlentherapie macht, ist allerdings individuell unterschiedlich und hängt unter anderem von der behandelten Körperregion, der Strahlendosis, der Bestrahlungstechnik und weiteren Therapien ab [1,2].
Im Folgenden beantworten wir zehn häufige Fragen rund um die Strahlentherapie.
Tut die Bestrahlung weh?
Die Strahlung selbst ist während einer externen Strahlentherapie nicht spürbar. Während der Behandlung kann man beispielsweise die Bewegungen und Geräusche des Bestrahlungsgeräts wahrnehmen, die Strahlung selbst kann man jedoch weder sehen noch fühlen [1].
Beschwerden entstehen vielmehr dadurch, dass die Strahlung neben den Tumorzellen auch gesundes Gewebe im Bestrahlungsgebiet beeinflussen kann. Welche Beschwerden auftreten können, hängt deshalb wesentlich davon ab, welche Körperregion behandelt wird und welche gesunden Gewebe und Organe sich im oder nahe am Bestrahlungsgebiet befinden [2].
Die Bestrahlungssitzung selbst ist daher normalerweise nicht schmerzhaft; mögliche Beschwerden entwickeln sich vielmehr als Nebenwirkungen der Behandlung und können sich im Verlauf der Therapie bemerkbar machen [1,2].
Welche Nebenwirkungen können auftreten?
Nebenwirkungen einer Strahlentherapie entstehen vor allem dadurch, dass auch gesunde Zellen im bestrahlten Gebiet von der Strahlung beeinflusst werden können. Eine häufige Nebenwirkung ist Müdigkeit beziehungsweise Fatigue, wobei Stärke und Ausprägung von Person zu Person unterschiedlich sein können [2].
Je nach behandelter Körperregion können außerdem Hautveränderungen, Schleimhautreizungen, Haarausfall im Bestrahlungsgebiet, Übelkeit oder Beschwerden des Darms beziehungsweise der Blase auftreten. Bei einer Bestrahlung bestimmter Körperregionen können auch Sexualität und Fruchtbarkeit beeinträchtigt werden [2].
Welche Nebenwirkungen tatsächlich auftreten, lässt sich deshalb nicht allein anhand der Diagnose bestimmen, sondern hängt wesentlich von der individuellen Behandlung ab. Nicht jede Person entwickelt alle genannten Nebenwirkungen, und auch deren Stärke kann sehr unterschiedlich sein [2].
Warum gibt es überhaupt Nebenwirkungen?
Eine Strahlentherapie soll Tumorzellen schädigen oder deren Wachstum stoppen, kann dabei aber auch gesunde Zellen im Bestrahlungsgebiet beeinflussen. Gesunde Zellen können sich häufig wieder erholen, während Tumorzellen aufgrund ihrer biologischen Eigenschaften teilweise empfindlicher gegenüber der Strahlentherapie sind [2].
Bei der Planung der Behandlung wird deshalb versucht, die Strahlendosis möglichst gezielt auf das Tumorgewebe beziehungsweise das definierte Zielvolumen zu konzentrieren und gleichzeitig empfindliche Organe möglichst zu schonen [1,2].
Moderne Bestrahlungstechniken ermöglichen eine immer präzisere Anpassung der Dosisverteilung an die individuelle Anatomie [1]. Trotz dieser Möglichkeiten lässt sich eine Belastung des gesunden Gewebes nicht bei jeder Behandlung vollständig vermeiden. Das Risiko für Nebenwirkungen hängt unter anderem von der behandelten Körperregion, der Strahlendosis, dem Bestrahlungsvolumen und weiteren individuellen Faktoren ab [2].
Treten Nebenwirkungen sofort auf?
Nein, Nebenwirkungen müssen nicht unmittelbar nach der ersten Bestrahlung auftreten. Viele akute Nebenwirkungen entwickeln sich erst im Verlauf der Behandlung und können sich nach Abschluss der Therapie noch eine gewisse Zeit fortsetzen. Beispiele hierfür sind Hautveränderungen, Schleimhautreizungen oder zunehmende Müdigkeit [2].
Gesunde Zellen, die durch die Bestrahlung geschädigt wurden, können sich häufig innerhalb einiger Monate nach der Behandlung wieder erholen. Es gibt jedoch auch sogenannte Spätfolgen, die erst Monate oder Jahre nach einer Strahlentherapie auftreten können. Ob solche Spätfolgen auftreten und welche Beschwerden möglich sind, hängt unter anderem von der behandelten Körperregion, der Strahlendosis und weiteren individuellen Faktoren ab [2].
Wie schnell erholt sich der Körper?
Wie schnell sich der Körper nach einer Strahlentherapie erholt, ist individuell sehr unterschiedlich. Viele akute Nebenwirkungen verbessern sich nach Abschluss der Behandlung wieder, wobei die Erholung je nach Nebenwirkung und behandelter Körperregion unterschiedlich lange dauern kann. Auch Fatigue kann während der Behandlung auftreten und nach deren Abschluss noch einige Zeit bestehen bleiben [2].
Gleichzeitig können sich gesunde Zellen nach einer Strahlenbelastung häufig wieder erholen. Manche Nebenwirkungen können jedoch länger anhalten oder als Spätfolgen erst Monate oder Jahre später auftreten. Wenn Beschwerden stark ausgeprägt sind, länger anhalten oder sich verändern, sollte das Behandlungsteam darüber informiert werden, da viele Nebenwirkungen behandelt oder gelindert werden können [2].
Bin ich nach der Bestrahlung radioaktiv?
Bei einer externen Strahlentherapie wird die Strahlung von einem Gerät außerhalb des Körpers erzeugt und auf das Behandlungsgebiet gerichtet. Diese Form der Strahlentherapie macht die behandelte Person nicht radioaktiv. Nach der Behandlung geht deshalb keine Strahlung von der Person aus, und der normale Kontakt zu anderen Menschen ist möglich. Das gilt auch für den Kontakt zu Kindern und Schwangeren [1].
Anders ist die Situation bei bestimmten Formen der internen Strahlentherapie, bei denen radioaktive Substanzen in den Körper eingebracht werden. Je nach verwendeter Methode können diese Substanzen unterschiedlich lange im Körper verbleiben und vorübergehend Strahlung abgeben. In solchen Fällen können zeitlich begrenzte Strahlenschutzmaßnahmen notwendig sein, über die das behandelnde Team individuell informiert [3].
Kann ich weiterhin Familie und Freunde treffen?
Bei einer externen Strahlentherapie können Patientinnen und Patienten grundsätzlich weiterhin Familie und Freunde treffen. Auch der Kontakt zu Kindern und Schwangeren ist nach einer externen Bestrahlung grundsätzlich sicher, da die behandelte Person selbst keine Strahlung aussendet [1].
Eine Einschränkung kann sich allerdings aus dem persönlichen Befinden ergeben, wenn beispielsweise starke Müdigkeit oder andere Nebenwirkungen auftreten. Es kann deshalb sinnvoll sein, soziale Aktivitäten an die eigene Belastbarkeit anzupassen und ausreichend Ruhezeiten einzuplanen [2].
Bei bestimmten Formen der internen Strahlentherapie können dagegen vorübergehende Vorsichtsmaßnahmen gegenüber anderen Menschen notwendig sein. Welche Maßnahmen erforderlich sind, hängt von der jeweiligen Behandlung und der verwendeten radioaktiven Substanz ab [3].
Kann ich während der Strahlentherapie arbeiten?
Ob man während einer Strahlentherapie arbeiten kann, lässt sich nicht pauschal beantworten. Einige Menschen können während der gesamten Behandlung arbeiten, während andere ihre Arbeitszeit reduzieren oder vorübergehend pausieren müssen [1].
Entscheidend sind unter anderem die persönliche körperliche Belastbarkeit, die Art und Dauer der Behandlung, die bestrahlte Körperregion, mögliche Nebenwirkungen und die beruflichen Anforderungen. Auch die Arbeitsbedingungen spielen eine Rolle, da körperlich belastende Tätigkeiten andere Anforderungen stellen als eine überwiegend sitzende Tätigkeit [1].
Insbesondere Müdigkeit und Erschöpfung können die Leistungsfähigkeit während einer Behandlung beeinträchtigen [2]. Deshalb kann es sinnvoll sein, die berufliche Situation frühzeitig mit dem behandelnden Team zu besprechen und gegebenenfalls Arbeitszeit oder Arbeitsbelastung anzupassen [1].
Was darf ich während der Therapie noch machen?
Eine Strahlentherapie bedeutet nicht automatisch, dass alle gewohnten Aktivitäten aufgegeben werden müssen [1,2]. Viele alltägliche Aktivitäten können weiterhin möglich sein, solange sie mit dem persönlichen Befinden und der jeweiligen Behandlung vereinbar sind [1].
Besondere Aufmerksamkeit sollte beispielsweise der Haut im Bestrahlungsgebiet gelten, da sie empfindlicher reagieren kann. Welche Maßnahmen zur Hautpflege und welche Aktivitäten sinnvoll sind, hängen unter anderem von der bestrahlten Körperregion und der individuellen Hautreaktion ab [2].
Auch Freizeitaktivitäten können häufig weiterhin ausgeübt werden, sollten bei zunehmender Müdigkeit oder anderen Beschwerden jedoch an die eigene Belastbarkeit angepasst werden. Es gibt deshalb nicht die eine allgemeingültige Liste von Dingen, die während einer Strahlentherapie verboten sind. Entscheidend ist vielmehr die individuelle Behandlungssituation. [1,2]
Darf ich während der Strahlentherapie Sport treiben?
Grundsätzlich ist körperliche Aktivität während einer Krebstherapie nicht verboten [4].
Ein internationales Expertengremium kommt zu dem Schluss, dass Bewegung für Menschen mit Krebs im Allgemeinen sicher ist und an die individuelle Situation angepasst werden sollte. Körperliche Aktivität kann unter anderem dazu beitragen, die körperliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität zu verbessern und krebsbedingte Fatigue zu reduzieren. Dabei muss es nicht zwangsläufig um intensiven Sport gehen; auch individuell angepasste Alltagsbewegung kann ein sinnvoller Bestandteil der körperlichen Aktivität sein [4].
Welche Sportart und welche Intensität geeignet sind, hängt unter anderem vom allgemeinen Gesundheitszustand, der körperlichen Leistungsfähigkeit und der aktuellen Behandlung ab. Bei ausgeprägten Beschwerden oder bestimmten medizinischen Risiken kann es notwendig sein, die körperliche Aktivität vorübergehend anzupassen oder zu pausieren [4]. Auch die bestrahlte Körperregion sollte berücksichtigt werden, insbesondere wenn die Haut empfindlich oder gereizt ist [2].
Fazit
Eine Strahlentherapie bedeutet nicht automatisch, dass der gewohnte Alltag vollständig zum Stillstand kommen muss [1,2].
Bei einer externen Strahlentherapie sind soziale Kontakte grundsätzlich möglich, weil die Behandlung die Patientin oder den Patienten nicht radioaktiv macht [1]. Auch Arbeit und körperliche Aktivität können für viele Menschen während der Therapie weiterhin möglich sein, wobei die individuelle Belastbarkeit und mögliche Nebenwirkungen berücksichtigt werden sollten [1,4].
Gleichzeitig reagiert jeder Mensch unterschiedlich auf die Behandlung, weshalb sich nicht jede allgemeine Empfehlung auf jede Person übertragen lässt. Das Wichtigste ist deshalb, Beschwerden und Unsicherheiten frühzeitig mit dem behandelnden Team zu besprechen [2].
Literatur
[1] National Cancer Institute. External Beam Radiation Therapy for Cancer. National Institutes of Health. https://www.cancer.gov/about-cancer/treatment/types/radiation-therapy/external-beam
[2] National Cancer Institute. Radiation Therapy Side Effects. National Institutes of Health. https://www.cancer.gov/about-cancer/treatment/types/radiation-therapy/side-effects
[3] National Cancer Institute. Brachytherapy to Treat Cancer. National Institutes of Health. https://www.cancer.gov/about-cancer/treatment/types/radiation-therapy/brachytherapy
[4] Campbell, K. L., Winters-Stone, K. M., Wiskemann, J., May, A. M., Schwartz, A. L., Courneya, K. S., Zucker, D. S., Matthews, C. E., Ligibel, J. A., Gerber, L. H., Morris, G. S., Patel, A. V., Hue, T. F., Perna, F. M., & Schmitz, K. H. (2019). Exercise guidelines for cancer survivors: Consensus statement from International Multidisciplinary Roundtable. Medicine & Science in Sports & Exercise, 51(11), 2375–2390. https://doi.org/10.1249/MSS.0000000000002116
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